Ausgabe November 2005

Weltfrieden durch Weltregierung?

Albert Einsteins Vision vom Atomzeitalter

Es war, als hätten sie telepathische Fähigkeiten: die Atomphysiker und Ingenieure, die an den verschiedenen Standorten das „Manhattan-Projekt“ vorantrieben, aus Sorge, das nationalsozialistische Deutschland könne bald über eine Atombombe verfügen und damit die Weltherrschaft anstreben. Die Entwicklung und der Bau der ersten Atombomben geschah unter strengster Geheimhaltung. Die Zentren wie Los Alamos, Clinton Laboratories, Met Lab und Oak Ridge nahmen sich zeitweilig wie Inseln in der amerikanischen Gesellschaft aus. Ohne Kontakte untereinander. Und ohne normale Beziehungen zur Außenwelt.

Um so größer war das Erstaunen darüber, wie man an den verschiedenen Forschungsstätten auf das „Massaker von Hiroshima“ (Eugene Wigner) reagierte: Gleichermaßen betreten, entsetzt und schuldbewusst.1 Fast überall zog man die gleichen Schlüsse aus dem Einsatz der Atombomben gegen die japanische Zivilbevölkerung, ohne Vorwarnung und ohne Demonstration ihrer Zerstörungskraft – auch gegen den Willen der Mehrheit der Physiker.2 Der verblüffende Gleichklang reichte bis zu der düsteren Prognose: „So lange das gewaltige Problem der internationalen Kontrolle der Atomenergie nicht gelöst ist, droht unserer Gesellschaft der Untergang“.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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