Ausgabe März 2006

Erinnerung an den Sozialstaat

Es habe „etwas Absurdes“, heute eine Kommentierung des Sozialstaatsprinzips zu schreiben, klagte unlängst die Oldenburger Wirtschaftsrechtlerin Dagmar Schiek. Der Begriff des Sozialstaates gelte als Relikt aus Zeiten, in denen es erstens noch soziale Gegensätze und zweitens etwas zu verteilen gab. Folglich erscheine der Sozialstaat auch sozialdemokratischen „Modernisierern“ als Bremsklotz beim Übergang zur „postindustriellen Gesellschaft“. „Alles was den Markt einengt, gilt als sozialromantischer Ballast, der der Anpassung entgegensteht.“1

In der Tat, das Plädoyer für „mehr Freiheit“, von der frisch gekürten Bundeskanzlerin mit ungewohnter Emphase vorgetragen, meint das Lösen von „Wachstumsbremsen“, meint die Befreiung von „Bürokratie und altbackenen Verordnungen“.2 Nicht genannt und wohl auch nicht gemeint ist hingegen die Freiheit vor staatlicher Überwachung mittels modernster Technik einschließlich der globalen Zusammenarbeit deutscher Sicherheitsbehörden mit „befreundeten“ Geheimdiensten wie der CIA – mit den inzwischen bekannt gewordenen Folgen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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