Ausgabe Mai 2006

Hartz-IV-Unterkunft

Seit 16 Monaten ist nun das als größte Sozialreform der jüngeren Geschichte gepriesene Sozialgesetzbuch II (SGB II), besser bekannt als „Hartz IV“, in Kraft. Nach Ansicht des größten Sozialreformers der jüngeren Geschichte Wolfgang Clement sollte in der schönen neuen Hartz-IV-Welt alles besser werden: Arbeitslose sollten besser betreut, schneller in Arbeit vermittelt, besser gefördert und gefordert werden. Unvergessen ist die geradezu treuherzig vorgetragene Erklärung des Ex-Superministers, niemand würde wegen Hartz IV umziehen müssen.

Wenn Clement ernsthaft daran geglaubt haben sollte, die Bestimmungen im SGB II zu den „Kosten der Unterkunft“ würden verhindern, dass Langzeitarbeitslose sich um eine andere Wohnung bemühen müssen, hat er weder das Gesetz gründlich gelesen noch sich mit der bis Ende 2004 gängigen Praxis der Umsetzung des damaligen Bundessozialhilfegesetzes beschäftigt. Denn schon damals operierten viele Städte und Landkreise mit so genannten Mietobergrenzen, die zum Teil deutlich hinter den realen Mieten zurückblieben. Wer teurer wohnte, bekam die Wohnung nur bis zur „Mietobergrenze“ bezahlt; was darüber ging, musste aus dem ohnehin äußerst knappen Regelsatz bezahlt werden. Nach einer Übergangsfrist von einigen Monaten ist diese Praxis inzwischen wieder gang und gäbe.

Cover Mai 2006

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.