Ausgabe März 2007

Der Abstieg der Alten

Im Laufe des Monats März wird, sofern nicht noch ein Wunder geschieht, die Rente mit 67 durch den Bundestag gepeitscht werden. Die Begründung für diesen erneuten Schnitt in die gesetzliche Altersversorgung ist im Kern die gleiche wie für die letzten unter Rot- Grün durchgesetzten Rentenreformen: Man verweist auf die demographische Entwicklung, die angeblich keine Alternative erlaube.

Die Rentenreformen der letzten zehn Jahre haben die gesetzlichen Renten der zukünftigen Ruheständler Schritt für Schritt immer weiter dezimiert. Die Rente mit 67 wird für viele der zukünftigen Rentnerinnen und Rentner zu einer weiteren deutlichen Kürzung ihrer Altersbezüge führen. Die Konsequenzen dieser „Reform“ sind jetzt schon absehbar: In nicht allzu ferner Zukunft werden Millionen Renten unter dem Existenzminimum liegen.

Am glimpflichsten wird dabei noch die – schrumpfende – Gruppe der langjährig vollzeitbeschäftigten, nicht schwer körperlich arbeitenden und mindestens durchschnittlich verdienenden Angestellten davonkommen, die, falls ihr Rückgrat so lange mitmacht, bis 67 ihre Büroarbeit durchhalten können. Angestellte, die auf eine Betriebsrente hoffen können und genügend Mittel frei haben, um eine der von Rot-Grün eingeführten Varianten der steuer- und sozialabgabenbegünstigten Eigenvorsorge betreiben zu können, mögen es sich sogar leisten können, vor dem 67. Geburtstag in den Ruhestand zu gehen.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.