Ausgabe April 2007

Kampf um die Krippe

Man reibt sich verwundert die Augen: Da steht die CDU kurz davor, der SPD das Thema Frauen- und Familienpolitik abspenstig zu machen und damit auf breiter Front in die lang angepeilten liberalen, großstädtischen Wählermilieus vorzudringen, um dann schließlich doch die Ministerin zurückzupfeifen. So schob die Partei dem Bestreben von Ursula von der Leyen, bis 2013 zusätzlich 500 000 Krippenplätze zu schaffen, vorerst einen Riegel vor.

Worum geht es in der überhitzten Debatte, die sich weniger zwischen Union und SPD als vielmehr in der Union selbst abzuspielen scheint? Allen Beschwichtigungsversuchen zum Trotz um einen – vielleicht den letzten – Kampf zweier Weltbilder. Auf der einen Seite stehen die christdemokratischen Traditionsbataillone, von Bischof Mixa bis Fraktionschef Kauder, die das lang gewachsene Idealbild der Kleinfamilie mit Alleinernährer und Hausfrau verteidigen, und auf der anderen Seite die Truppen der Ursula von der Leyen, die für eine Modernisierung der Partei und ihre Anpassung an die ökonomischen Realitäten eintreten.

Eines ist beiden Seiten gemein: Sie führen permanent das Kindeswohl im Munde. In Wahrheit wird aber dieses Motiv im Kampf der beiden familienpolitischen Lager zumeist instrumentalisiert.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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