Ausgabe Oktober 2007

Die Krise des Spekulationskapitalismus

Schon wieder geht sie um, die große Angst vor dem Börsen-Crash. Dabei sollten die Mega-Spekulanten in den Banken und Fonds in ihrer rasenden Jagd nach Rendite eigentlich längst eines „Besseren“ belehrt sein: Keine sieben Jahre ist es nämlich erst her, dass mit der New-Economy-Blase die Illusion von der Börse als einem Roulette mit permanenter Gewinngarantie geplatzt ist. Doch seit Ende Juli wird die Weltwirtschaft durch eine neue, überraschend harte Krise der Finanzmärkte geschockt. Damit geraten die internationalen Finanzmärkte in diesem noch so jungen Jahrhundert schon zum zweiten Mal aus den Fugen – und dies absehbarerweise in immer kürzeren Abständen.

Trotz der vollmundigen Absichtserklärungen nach dem letzten Börsenabsturz fehlt offensichtlich immer noch der Mut zur Regulierung der Finanzmärkte, um auf diese Weise deren durch Spekulationen angetriebene Abkoppelung von der Produktionswirtschaft in Zukunft zu verhindern. Im Gegenteil: Wie die jüngste Immobilienkrise zeigt, sind in letzter Zeit scheinbar seriöse „Finanzinnovationen“ geschaffen worden. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit jedoch um hoch riskante und vor allem unseriöse Finanzierungsinstrumente, die zum Teil gezielt an den Aufsichtsbehörden der Kapitalmärkte vorbei kreiert worden sind.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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