Ausgabe Februar 2008

Schweiz: Die Krise der Konkordanz

Letztlich waren alle überrascht: Wohl keiner aus der überschaubaren Zunft der Helvetologen hatte geglaubt, geschweige denn vorhergesagt, dass der umstrittene Schweizer Politiker Christoph Blocher nach vier Jahren in der Regierung bereits bei der ersten Gelegenheit wieder abgewählt werden würde. Stabil, allzu stabil erschien das politische Regierungssystem der Schweiz, in dem sieben Bundesräte in einer übergroßen Koalition das Land regieren.

Dann aber verweigerte die Mehrheit der Bundesversammlung am 12. Dezember vergangenen Jahres dem Idol der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) die Bestätigung und wählte statt Blocher die gegenüber der offiziellen Parteilinie eher kritisch eingestellte Graubündener SVP-Politikerin Eveline Widmer- Schlumpf zur neuen Bundesrätin. Daraufhin distanzierte sich die mit derzeit rund 30 Prozent Wähleranteil größte Partei der Schweiz offen von ihren in der Regierung verbliebenen Bundesräten und erklärte sich zur Oppositionspartei.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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