Ausgabe März 2008

My Lai oder Die Stunde des Außenseiters

Warum Historiker in der Schuld von Seymour M. Hersh stehen

Was sich vor 40 Jahren, am 16. März 1968, im südvietnamesischen My Lai abspielte, ist weitgehend bekannt. Gegen 7.30 Uhr wurden die „Charlie“- und die „Bravo“-Kompanie der US-Sondereinheit Task Force Barker in der Nähe dreier Dörfer von Transporthubschraubern abgesetzt. Ihr Auftrag: die küstennahe Region der Provinz Quang Ngai „zu durchkämmen“, ein Kampfbataillon des Vietcong, das 48. VC Local Force Battalion, aufzuspüren und politische Funktionäre der Nationalen Befreiungsbewegung dingfest zu machen. Die C Company rückte in Xom Lang und Binh Tay ein, ein Platoon der B Company umstellte My Hoi – Siedlungen, die auf amerikanischen Militärkarten als „My Lai“ und „My Khe“ verzeichnet waren. Die Bilanz nach zweieinhalb Stunden: zwischen 490 und 520 Ermordete, einige waren erst wenige Wochen alt, manche im Greisenalter, die meisten waren Bauern mittleren Alters. Amerikanische Verluste: keine. Erbeutete Waffen: angeblich vier. Kein einziger Schuss war auf die GIs abgegeben worden; sie wussten, dass es sich bei den Opfern um Zivilisten handelte; sie hatten ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenübergestanden und sich von der ersten Minute an wie Schlächter aufgeführt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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