Ausgabe Mai 2008

Keynes und Kasinokapitalismus

Auch wenn das Ende der globalen Finanzkrise noch nicht absehbar ist, eines dürfte bereits feststehen: dass wir es mit einer neuen Etappe der kapitalistischen Entwicklung zu tun haben. In deren Mittelpunkt steht die wachsende Herrschaft hoch spekulativer Finanzmärkte. Weltweit agierende Mega-Investoren definieren mit dem Einsatz ihrer Fondsmittel völlig überzogene Renditeerwartungen gegenüber den wertschöpfenden Unternehmen. Durch Spekulationslust vorangetrieben, wächst in den Finanzmärkten stets aufs Neue ein bedrohliches, sich selbst verstärkendes Krisenpotential heran. Statt der Selbstheilung dominiert eine selbstzerstörerische Absturzdynamik.

Doch muss diese durch Globalisierung beschleunigte Fehlentwicklung schicksalhaft hingenommen werden? Bei der Antwort auf diese Frage fällt die Rat- und Sprachlosigkeit der vorherrschenden, marktoptimistischen Zunft, der „Mainstream-Economics“, auf. Selbst die hartgesottenen Neoklassiker unter den Marktoptimisten wagen nicht mehr die bisher gängige Allerweltsdiagnose, diese Krise sei wegen zu hoher Löhne, einem üppigen Wohlfahrtsstaat und zu vielen Regulierungen entstanden. Im Gegenteil: Sogar der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, teilt öffentlich mit, dass er kein Vertrauen mehr in die Selbstheilungskräfte des Marktes hat.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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