Ausgabe August 2008

Terror-Reklame

Washingtons Antiterrorkrieg stand lange im Zeichen eines Streits, der mittlerweile eigentlich beigelegt sein sollte. Er drehte sich darum, ob Al Qaida die machtvolle, weltumspannende Organisation ist, als welche die Bush-Administration sie ausgibt, oder ob es sich bei ihr seit dem Rückzug in Pakistans Stammesgebiete vor allem um ein Internet-Phänomen handelt – ein Beispiel für angewandte politische PR: ein Markenzeichen, das jeder in Anspruch nehmen kann, um weltweit wahrgenommen zu werden und um, beispielsweise unter muslimischen Jugendlichen in Europa, im Freundeskreis und bei den Mädchen Eindruck zu schinden.

Unter akademischen Terrorismus-Experten in Amerika wird darüber immer noch ernsthaft gestritten, wobei etwa Bruce Hoffman von der Georgetown University darauf besteht, Al Qaida sei heute gefährlicher denn je. Das deckt sich mit den gängigen Vorstellungen der Bush-Administration und der von ihr bevorzugten Denkfabriken. Schließlich war sie es, die Al Qaida am meisten und am dauerhaftesten Aufmerksamkeit verschaffte, indem sie immer wieder den Alarmzustand ausrief und neue terroristische Schandtaten ankündigte, die dann ausblieben – zweifellos aufgrund der Warnungen Washingtons.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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