Ausgabe November 2008

Wie weiter, Mr. President?

Zwischen John McCain und Barack Obama gab es außenpolitisch zuletzt nur noch zwei wirklich gewichtige Streitfragen. Einmal, wie rasch der Rückzug aus dem Irak vor sich zu gehen hat; und zum anderen, wie mit dem „eigentlichen“ Krieg umzugehen ist – demjenigen, den Amerika nach Obamas Auffassung in Afghanistan führen sollte. Doch kein US-Präsident, wer es auch sei, ist imstande, diese Probleme wirklich zu lösen, weder die irakischen noch die afghanischen. Er bildet sich nur ein, es stünde in seiner Macht, und seine Berater reden ihm ein, er könne und müsse diese Probleme lösen. Die ausschlaggebenden Variablen entziehen sich jedoch seiner Kontrolle, und erst recht der Kontrolle der Militärs, seien es die amerikanischen oder die der NATO.

Was im Irak passiert, hängt zunächst einmal von den Entscheidungen des Ministerpräsidenten Nuri Kamal al-Maliki und vom Verhältnis seiner Regierung zu den Mitgliedern der sunnitischen Erweckungsbewegung ab. Diese wurden bislang von der US-Regierung dafür bezahlt, ihre Wohngebiete selbst zu schützen, werden jetzt aber der irakischen Regierung unterstellt – und deren schiitische Führung misstraut ihnen. Wie es weitergeht, hängt deshalb entscheidend von den religiösen Führern der Schiiten und der Regierung des Nachbarlandes Iran ab.

Sie haben etwa 17% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 83% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema