Ausgabe Februar 2009

Krieg um Gaza: Dialektik der Nicht-Anerkennung

Mit dem israelischen Militärschlag gegen die Hamas scheint eine Beilegung des Nahostkonflikts ferner denn je. Aber wie realistisch sind die Hoffnungen auf eine Friedenslösung überhaupt, solange auf beiden Seiten ein verhohlener Anspruch auf das gesamte Territorium besteht? 1

Anerkennung ist eine, wenn nicht die grundlegende Kategorie der Staatenwelt. Auf ihr ruhen alle Begriffe des Rechts, des regulierten Handels untereinander, nicht zuletzt auch der Kriegsführung. Die Unterscheidung zwischen regulärer und irregulärer Anwendung militärischer Gewalt geht letztlich auf jene Urkonstellation zurück: die der Anerkennung oder ihres Gegenteils – eben der Nichtanerkennung.

Grundsätzlich ist das Verhältnis zwischen Israeli und Palästinensern von einer chronischen Konstellation der Nichtanerkennung geprägt. Alles, was dem an politischer Diagnostik widersprechen könnte, ist weitgehend Mimikry. Anerkennung würde erst dann Platz greifen, wenn sich beide der Respektierung ihrer jeweiligen Staatlichkeit durch den anderen gewiss sein könnten – und damit verbunden einer gleichermaßen garantierten Unantastbarkeit des jeweiligen Territoriums. Davon kann indes keine Rede sein. Jedenfalls nicht wirklich.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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