Ausgabe März 2009

Fragen eines lesenden Wählers

Auf über 2000 Milliarden US-Dollar schätzt man weltweit die Schäden der Krise. Verzweifelt wird gefragt, wohin dieses Geld entschwunden ist. Doch wo sind diese gigantischen Summen eigentlich hergekommen, die da rund um den Globus vagabundiert und in den Sand gesetzt worden sind? Hat man allzu erfolgreich die Löhne gedrückt und die Gewinne hochgetrieben und für dieses Geld dann keine solide Verwendung mehr gefunden?

Wir haben eine hochbezahlte Bundesbehörde zur Bankenaufsicht. Was hat man dort getan all die Jahre, als sich auch unsere Banken wie Lemminge in den absehbaren Ruin gestürzt haben? Warum zieht man diese verbeamteten Versager nicht zur Rechenschaft? Und warum hat der Bundestag dieses Treiben vor fünf Jahren mit einem neuen Gesetz eigens noch profitabler gemacht? Was ist in diesen Zeiten der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung eines Hedgefonds? Was ein Schneidbrenner gegen den Verkauf wertloser Wertpapiere? Und was sind Hehler- und Schmugglerringe gegen das Netzwerk der Bankenbranche in den Steueroasen?

Jetzt stützt der Staat Pleitebanken und wohl auch strauchelnde Firmen. Das Geld dafür muss er mit neuen Staatsanleihen zusammenborgen.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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