Ausgabe Mai 2009

Kapitalismus ohne Haftung

In wenigen Fragen war sich die Bevölkerung bisher so einig wie bei der Verurteilung von Bonus-Zahlungen für die „schamlosen Banker“. In der Kritik stehen diese Zahlungen allerdings vor allem deshalb, weil der Staat die Geldinstitute der Boni-Empfänger gerade erst mit Steuergeldern vor der Insolvenz bewahren musste. Tabu – zumindest in Deutschland – scheint dagegen die wesentlich grundlegendere Frage zu sein, ob die Gewinne, auf denen diese Bonus-Zahlungen all die Jahre beruhten, überhaupt rechtmäßig verdient wurden.

Anders ist die Lage im Ausland: Im britischen Unterhaus müssen Bankchefs wegen riskanter Geschäfte Rede und Antwort stehen; im US-Senat werden sie von den Finanzfachleuten erbarmungslos „gegrillt“. Hierzulande beraten sie die Regierung bei der Bekämpfung der Krise.

Es stimmt verdächtig, dass insbesondere Vertreter der Finanzwirtschaft sich gerne hinter einer vermeintlichen Kollektivschuld verstecken. „Wir haben alle Fehler gemacht“, meint zum Beispiel Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank. Und für den Vorstandvorsitzenden der Münchner Rück, Nikolaus von Bomhard, muss sogar die „nicht ausgeprägte Grundausbildung der Deutschen in Finanzfragen“ als ursächlich für die Krise herhalten.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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