Ausgabe Dezember 2009

Die Überschreitung der Grenzen

Ernst Bloch und Seyla Benhabib

Das jüdische Pessachfest – in der christlichen Welt als Passah oder Passover bezeichnet – ist zwar nicht der höchste jüdische Feiertag, wohl aber der populärste. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in seinem Zentrum ein rituelles, von der ganzen Familie und Gästen gefeiertes abendliches Erinnerungsmahl mit einer Fülle symbolischer Speisen, Liedern und gemeinsam rezitierten Legenden steht. Bei alledem geht es um den Exodus der Kinder Israel aus Ägypten, also um ein Fest der Befreiung und der Freiheit. Es geht um erkämpfte und erzwungene Auswanderung, um die Vision auf eine neue, alte Heimat, also um eine, wenn auch gewaltsame, Einwanderung und den Empfang einer göttlichen, normativen, auf Gerechtigkeit zielenden Weisung. Bekanntlich hat Gott gemäß der Bibel die Ägypter und Pharaonen mit einer eskalierenden Reihe von Plagen gezwungen, die Kinder Israel ziehen zu lassen – die letzte und schwerste Plage, die von Gott selbst vorgenommene Tötung aller ägyptischen Erstgeburten, brachte den Pharao schließlich zum Einlenken. Die im Lauf der Jahrhunderte entstandene Haggadah schel Pessach, der liturgische Text des Pessachmahls, verzeichnet dies mit Dank.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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