Ausgabe Dezember 2010

Viva la Googolución!

Nein, der echte lateinamerikanische Sozialismus ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Was waren das noch für Zeiten, als mit Kuba und Nicaragua gleich zwei Staaten die Speerspitze der revolución stellten? Doch wie sagte unlängst el maximo lider auf die Frage eines amerikanischen Journalisten, ob der Zuckerinsel-Kommunismus noch immer exportwürdig sei: „Das kubanische Modell funktioniert nicht einmal mehr bei uns!“

Gewiss, kurz darauf korrigierte sich der große Fidel – es war natürlich alles viel dialektischer gemeint gewesen –, doch nur, um alsbald mit seinem Bruder und jugendlichen Nachfolger Raúl, 79, in eine ganz andere Richtung zu konvertieren. Tatsächlich nahm Letzterer höchstpersönlich an der Einweihung des katholischen Priesterseminars „San Carlos y San Ambrosio“ teil, des ersten in Kuba seit 50 Jahren. Wenn schon nicht Kapitalismus, dann doch wenigstens Katholizismus, mögen sich die klugen Greise gedacht haben, die einst selbst im Jesuiten-Kolleg in Havanna erzogen wurden. Schließlich will man wenigstens nach dem Tode auf der sicheren Seite sein.

Korrigieren musste sich jüngst auch das glorreiche Nicaragua.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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