Die kurze Angabe am Ende dieses äußerst produktiven und unkonventionellen Buches stiftet den biographischen Zusammenhang: Der Autor Tamim Ansary wurde 1948 in Kabul geboren und wuchs in Afghanistan auf, aber seine Mutter war Amerikanerin finnisch-jüdischer Herkunft. Wie stark der Autor – bekannt geworden durch „West of Kabul, East of New York“ (2003) – jedoch von seinen afghanischen Wurzeln zehrt, zeigt sich am Ende seiner „Globalgeschichte aus islamischer Sicht“. Ansary geht anlässlich der Parlamentswahl nach Afghanistan, aber nicht in die Hauptstadt Kabul, sondern ins Dorf Paghman. Dort trifft er einen Einwohner mit Turban und Bart, den er sich beim besten Willen nicht in einer Wahlkabine vorstellen kann, und beschreibt, wie dieser Mann die Wahl erlebte: „Wissen Sie, da sind ein paar Städter mit Zetteln gekommen und haben uns erklärt, wie wir Zeichen auf diese Zettel machen sollen. Wir haben ihnen zugehört, denn sie sind von weit her gekommen und wir wollten nicht unhöflich sein. Aber wir haben diese Stadtleute nicht gebraucht, um zu wissen, wer unser Mann ist.“ Es ist Agha-i-Sayyaf. Er ist Teil der Familie, die seit den Tagen von Dost Mohammed hier lebt und für sie alle sorgt. „Jedes Jahr zum Ende des Ramadan schenkt er den Kindern Süßigkeiten und fragt nach unseren Problemen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.