Ausgabe Dezember 2010

Religiöse Neutralität statt christlich-jüdischer Leitkultur

Wenn es um die Freiheit der Religion geht, sind sich die bundesrepublikanischen Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften in aller Regel einig: Christen und Juden verteidigen vehement die Religionsfreiheit der Muslime (meist auch in der Frage des Kopftuches), und der Vertreter einer Religionsgemeinschaft des Islam, der auf den Gedanken käme, in Deutschland (nicht in Saudi-Arabien oder einem ähnlichem demokratiefernen islamischen Staat) die Religionsfreiheit von Christen oder Juden öffentlich in Frage zu stellen, müsste auch erst noch erfunden werden. Dass jedoch zum Grundrecht der Religionsfreiheit, wie es im Grundgesetz garantiert ist, nicht zuletzt auch die Freiheit von der Religion gehört, ist demgegenüber ein Aspekt, der alle gemeinsam vergleichsweise teilnahmslos lässt.

Über mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit können sich die in der Bundesrepublik bestehenden Religionsgemeinschaften wahrlich nicht beschweren. Ob christlich, jüdisch oder islamisch: Allesamt stehen sie im Fokus des öffentlichen Interesses. Vom Bundespräsidenten abwärts bis in die Untiefen der Unions- und anderer Parteien hinein wird ihnen Referenz erwiesen und – wenn auch in jeweils unterschiedlicher Richtung – erheblicher Zuspruch zuteil.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema