Ausgabe Juni 2011

Die Postwachstumsgesellschaft

Die Gesellschaft steckt in einer Zwickmühle. Dem Wachstum abzuschwören bedeutet, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch zu riskieren. Hemmungsloses Streben nach Wachstum heißt jedoch, die Ökosysteme zu gefährden, von denen langfristig unser Überleben abhängt.

Vom normalen Politikbetrieb wird dieses Dilemma meist überhaupt nicht wahrgenommen, in der öffentlichen Debatte wird es an den Rand gedrängt. Wenn die Realität dann aber doch ins allgemeine Bewusstsein sickert, ist der beste Vorschlag zumeist der, das Wachstum irgendwie von seinen materiellen Folgen zu „entkoppeln”, und das auf Dauer, während die Wirtschaft exponentiell weiterwächst. Selten gesteht man sich überhaupt die Größe der Aufgabe ein. In einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die alle einen westlichen Lebensstil anstreben, müsste die Kohlenstoffintensität jedes einzelnen Dollars der Wirtschaftsleistung im Jahr 2050 mindestens 130 Mal niedriger sein als heute. Am Ende des Jahrhunderts wird die Wirtschaft gar Kohlenstoff aus der Atmosphäre entnehmen müssen statt ihn auszustoßen.

Dabei scheint gleichgültig, dass keiner weiß, wie eine solche Volkswirtschaft aussehen könnte, und dass derzeit alle Institutionen und Anreize beständig in die falsche Richtung weisen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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