Ausgabe Juni 2011

Die Postwachstumsgesellschaft

Die Gesellschaft steckt in einer Zwickmühle. Dem Wachstum abzuschwören bedeutet, einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenbruch zu riskieren. Hemmungsloses Streben nach Wachstum heißt jedoch, die Ökosysteme zu gefährden, von denen langfristig unser Überleben abhängt.

Vom normalen Politikbetrieb wird dieses Dilemma meist überhaupt nicht wahrgenommen, in der öffentlichen Debatte wird es an den Rand gedrängt. Wenn die Realität dann aber doch ins allgemeine Bewusstsein sickert, ist der beste Vorschlag zumeist der, das Wachstum irgendwie von seinen materiellen Folgen zu „entkoppeln”, und das auf Dauer, während die Wirtschaft exponentiell weiterwächst. Selten gesteht man sich überhaupt die Größe der Aufgabe ein. In einer Welt mit neun Milliarden Menschen, die alle einen westlichen Lebensstil anstreben, müsste die Kohlenstoffintensität jedes einzelnen Dollars der Wirtschaftsleistung im Jahr 2050 mindestens 130 Mal niedriger sein als heute. Am Ende des Jahrhunderts wird die Wirtschaft gar Kohlenstoff aus der Atmosphäre entnehmen müssen statt ihn auszustoßen.

Dabei scheint gleichgültig, dass keiner weiß, wie eine solche Volkswirtschaft aussehen könnte, und dass derzeit alle Institutionen und Anreize beständig in die falsche Richtung weisen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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