Ausgabe Juni 2011

Die andere Brückentechnologie

Wer geglaubt haben sollte, dass der atomare GAU in Fukushima zu einem globalen Umdenken führen würde, sieht sich keine drei Monate später bereits enttäuscht: In den Vereinigten Staaten, in Frankreich, China, Russland und Osteuropa ist von einem grundsätzlichen Umdenken keine Spur. Auch Länder wie Vietnam und die Türkei halten ihre Pläne zum Bau von AKWs weiterhin für alternativlos und nehmen das „Restrisiko“ gerne in Kauf.

Zieht aber wenigstens Deutschland endlich die richtigen Schlüsse? Immerhin lehnt hier die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung die Atomkraft ab. Müsste daher die rot-grüne Opposition nicht gerade jetzt in die politische Offensive gehen und zusammen mit den sozialen Bewegungen eine breite gesellschaftliche Diskussion für den sofortigen Ausstieg in Gang setzen?

Doch offenbar haben bisher weder die SPD noch die Grünen den richtigen Dreh gefunden. Ihnen fehlt jedenfalls der notwendige Enthusiasmus und eine in sich stimmige Strategie, um die schwarz-gelbe Bundesregierung daran zu hindern, weiter Zeit zu schinden. Die rot-grüne Forderung nach Rückkehr zum eigenen Atomkonsens klingt dagegen eher nach Rechthaberei. Schwarz-Gelb wiederum kontert mit dem Vorwurf, Rot-Grün hätte den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke akzeptiert und der Atomindustrie einen „Sicherheitsrabatt“ gewährt.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.