Ausgabe Oktober 2011

Kapitalismus versus Demokratie

Vom Widerspruch der bürgerlichen Gesellschaft

Dass die ökonomische Krise des Jahres 2008 nicht die definitiv letzte kapitalistische Krise sein würde, war bereits im Augenblicke ihres Aufbrechens klar. Wie dramatisch sie sich aber binnen nur dreier Jahre entwickeln würde, sahen nur die Wenigsten voraus. Denn damals, immerhin, demonstrierten die kapitalistischen Akteure Lernbereitschaft. Plötzlich priesen sie als Heilmittel, was ihnen noch Monate zuvor als linksextremistische Einfälle erschienen wäre. Schlagartig war der Staat wieder gefragt und Neokeynesianer, zuvor regelrecht geächtet, wurden wieder am Tisch der Bescheidwisser geduldet. Anerkennung wurde dem zuteil, der auf frühe Warnungen verweisen konnte oder sich rechtzeitig von den Spekulationsgeschäften zurückgezogen hatte. Und die Vorstellung eines sich selbst regulierenden Marktes schien zunächst regelrecht konterkariert – durch all die Billionen, die die Staaten zur Rettung der Finanzinstitutionen und mancher Industriezweige aufbringen mussten.

Heute aber wissen wir: In den Grundzügen blieb alles beim Alten, auch der Trend der Vermögensverteilung von unten nach oben.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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