Ausgabe Juni 2012

Palästina denken ohne Staat

Plädoyer für ein Leben in bürgerlicher Würde

Politik ist für mich immer ein Mittel gewesen, kein Zweck. Ich sage das, weil ich im Lauf meines Lebens festgestellt habe, dass es sich bei vielen Menschen anders verhält. Schon bei den hitzigen politischen Debatten, die ich als Kind in meinem Elternhaus in Jerusalem mitbekam – Debatten mit Bekannten, Verwandten und Freunden –, und später als Erwachsener bei eigenen politischen Aktivitäten und Diskussionen wurde mir klar, dass es manchen Menschen schlicht und einfach gefällt, sich politisch zu engagieren, ganz unabhängig von den Zielen, in deren Namen sie dies angeblich tun.

Mein mangelndes Interesse daran, Politik zu machen (sprich: Politik als derartiges Spiel zu betreiben), erklärt wahrscheinlich auch mein mangelndes Interesse an einem eigenen palästinensischen Staat, sofern er nicht nur Mittel zum Zweck ist – um unser gemeinsames Wohl zu sichern oder den Zustand der Unterdrückung in einen Zustand der Freiheit zu transformieren. Ich denke, dass die Begeisterung mancher Menschen für einen palästinensischen Staat lediglich ihren Hang zum Politisieren widerspiegelt, anders gesagt, zum Verhandeln als Selbstzweck.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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