Ausgabe November 2012

Die globale Demokratieverdrossenheit

Ein Vierteljahrhundert ist es nun bald her, dass die Bürger in ganz Osteuropa für mehr Demokratie auf die Straße gingen. Doch seither ist so viel geschehen – Nine Eleven, Fukushima, die Arabischen Revolutionen –, dass die Demokratiefrage auf der ganzen Welt inzwischen nur noch durch ganze Schichten traumatischer Erfahrungen wahrgenommen wird. Ich möchte daher versuchen, einige Aspekte der postkommunistischen Demokratieenttäuschungen neu zu durchdenken und in einen größeren Rahmen zu rücken: nämlich in den Kontext einer Entwicklung, die man meines Erachtens nur als globale Unzufriedenheit mit der Demokratie bezeichnen kann.

Diese Demokratieverdrossenheit nimmt heute wohl in aller Welt zu. Und auch wenn die spezifische Geschichte der postkommunistischen Länder diese immer noch tief prägt, haben sie sich inzwischen mit der übrigen demokratischen Welt insoweit vereint, als dass ihre Probleme mit der Demokratie mehr und mehr den unsrigen in den westlichen Staaten gleichen.

Das Ende der geteilten Welterfahrung und das chinesische Wunder

Unübersehbar ist, dass wir heute alle im Schatten des chinesischen Wunders leben, welches die vermeintlich untrennbare Verbindung zwischen ökonomischer Prosperität und demokratischer Regierungsführung auf dramatische Weise aufgelöst zu haben scheint.

November 2012

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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