Ausgabe Februar 2013

Giftzahn gegen das braune Gift

Als am 30. Januar 1933 nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland die Fackeln brannten, zur Feier der nationalsozialistischen Machtübernahme, da wusste einer ganz genau, was die Stunde geschlagen hatte, nämlich der Wiener Kritiker Karl Kraus.

Noch im selben Jahr stellte er „Die Dritte Walpurgisnacht“ fertig, seine Abrechnung mit dem Faschismus. Bis heute ist ihr erster Satz – „Mir fällt zu Hitler nichts ein“ – der bekannteste, der sich wie viele geflügelte Worte großer Geister längst verselbstständigt hat. Doch zu Recht stellte bereits Hermann Gremliza klar, dass das nicht des Dichters „kleinlautes letztes Wort gewesen [ist], sondern der erste Satz eines Werkes von 291 Seiten, das bis heute alle Darstellungen faschistischer Unkultur bei weitem überragt.“

Eigentlich wollte Kraus seine Schrift noch 1933 veröffentlichen. Weil die Publikation, ob der Schärfe der enthaltenen Angriffe auf das NS-Regime, jedoch zahlreiche Menschenleben hätte gefährden können, blieb sie lange unveröffentlicht.

Verstummt vor dem Phänomen Nationalsozialismus, wie bis heute oft fälschlicherweise behauptet wird, ist Karl Kraus jedoch nicht, im Gegenteil: Er hat das kommende Unheil deutlicher gesehen als fast alle seiner Zeitgenossen.

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