Ausgabe März 2013

Die größten Storys des 20. Jahrhunderts

Wenn heute unter Eingeweihten von Tony Judt die Rede ist, wird das Bild des großen Historikers, der mit dem Erscheinen seiner Geschichte Europas endgültig aus dem engen Kreis der Fachwissenschaftler ins Rampenlicht einer internationalen Öffentlichkeit getreten war, unweigerlich von seinem tragischen Tod überlagert: Auf dem Höhepunkt seines Schaffens traf ihn die unheilbare Nervenkrankheit ALS und ließ seinen Körper rasant verfallen. Bei klarem Verstand konnte er zuerst die Tür nicht mehr öffnen, dann nicht mehr gehen und am Ende nur noch mit Hilfe technischer Apparate atmen.

Seine geplante – und in seinem Kopf längst existierende – Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts schien für immer verloren. Erst nach seinem Tod wurde nun ein Gesprächsbuch publiziert, das in gewisser Weise sowohl eine Autobiographie als auch Ersatz für das nicht mehr geschriebene Werk ist. Als sachkundiger Helfer erwies sich Timothy Snyder, Autor der eindrucksvollen Geschichtsdarstellung „Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin“. Am 5. Juli 2010 endet das Buch, einen Monat später das Leben des 62jährigen Tony Judt.

„Nachdenken über das 20. Jahrhundert“enthält neun aufschlussreiche Gespräche, beginnend jeweils mit einem autobiographischen Monolog von Tony Judt.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.