Ausgabe Mai 2013

Strohfeuer oder Wendepunkt?

Gewerkschaftliches Comeback in Zeiten der Krise

Bild: freeday / photocase.com

Die erste Hälfte des Jahres 2013 ist eine Zeit wichtiger Tarifauseinandersetzungen. Im öffentlichen Dienst, der Metall- und Elektroindustrie sowie der chemischen Industrie wird erneut über die Verteilung der ökonomischen Wertschöpfung zwischen Kapital und Arbeit gestritten. Noch vor einigen Jahren galt dabei als Gemeinplatz, dass die Gewerkschaften diese Verteilungskonflikte aus einer Position der politischen Schwäche führen. Die These von der strukturellen Defensive war nahezu Konsens in der deutschen und internationalen Forschung.[1] Doch dies scheint Vergangenheit: Ausgerechnet seit der großen Krise des Finanzmarktkapitalismus in den Jahren 2008 folgende und der existenziellen Bedrohung ganzer Industriesektoren häufen sich die Meldungen über ein Comeback der Gewerkschaften.

In der Tat spricht einiges für die Vermutung, dass die Gewerkschaften zurück sind: in der Politik als handlungsmächtige Akteure bei der Bearbeitung der Krise des Finanzmarktkapitalismus und in den Medien als eigentlich längst totgesagte Lobbyorganisationen. Diese neu gewonnene politische wie mediale Bedeutung basiert nicht zuletzt auf der einflussreichen Rolle der Gewerkschaften in der Krise.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Wirtschaftspolitik ohne Verstand: Lockert die Steuerbremse!

von Axel Stommel

Es soll ein „Herbst der Reformen“ werden, kündigen Union und SPD lautstark an. Angesichts der ernüchternden Realität einer Finanzierungslücke von 172 Mrd. Euro, die im Bundeshaushalt zwischen den Jahren 2027 und 2029 klafft, ist die bei jeder Gelegenheit beschworene Aufbruchstimmung nur allzu verständlich.