Ausgabe November 2013

Griechenlands blutige Morgenröte

Mindestens vier Morde und über 400 Verletzte – das ist die Bilanz rassistischer Attacken in Griechenland allein zwischen Januar 2012 und April 2013.[1] Doch erst der Tod des Hip-Hop-Künstlers Pavlos Fyssas sorgte für einen Aufschrei: Nachdem der Antifaschist mit dem Künstlernamen Killah P von einem Anhänger der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte (GM) erstochen wurde, gingen Tausende auf die Straße; außerdem brachen Ausschreitungen und ein Medienspektakel sondergleichen über das Land herein. Nun greift die Regierung durch – reichlich spät. Denn die Gefahr, die von der GM ausgeht, war hinlänglich bekannt. Aber die Polizei ließ deren Anhänger weitgehend unbehelligt agieren. Freilich erntet die griechische Regierung dafür Kritik von Vertretern der Europäischen Union. Doch dabei wird verkannt, dass das soziale Desaster in Griechenland und die Gefährdung der Demokratie zu großen Teilen von der EU selbst verschuldet sind: Denn die von ihr verordneten Sparpakete nähren antidemokratische Strukturen und zerreißen die Gesellschaft.

Die dramatischen Effekte manifestieren sich in der wachsenden Zahl der Obdachlosen und der grassierenden Armut.

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In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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