Ausgabe Oktober 2014

Ebola: Das Versagen des Nordens

Anfang September am Sitz der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf: 200 Mediziner treffen sich im größten Hotel der Schweiz, um über die Ebola-Medikamente der Zukunft zu diskutieren. Ein paar Tage zuvor ist WHO-Chefin Margaret Chan zu einem Ebola-Gipfel in die USA geflogen. Auch dort: Viele Gespräche, der UN-Generalsekretär ist sehr besorgt.

Unterdessen in Westafrika, da, wo die Seuche wütet: Ein an Ebola infizierter Mann flieht aus einem liberianischen Krankenhaus, weil es dort nichts zu essen gibt. Auf dem nahen Markt, wo er sich Lebensmittel besorgt, bricht Panik aus. In einem anderen Krankenhaus streiken die Pfleger. Die einzige Trage, auf der sie Kranke und Tote gleichermaßen transportiert haben, ist kaputt gegangen. Und der Staat schafft es nicht, den täglich von Ansteckung Bedrohten ihre Gehälter von 50 Dollar im Monat auszuzahlen. Schutzanzüge gibt es ohnehin kaum, hunderte Pfleger haben sich bereits infiziert.

Der Vergleich zwischen Liberia, wo die Menschen seit einem halben Jahr mit einem tödlichen Virus kämpfen, und den langsam anlaufenden Debatten in den Ebolaverwaltungszentralen dieser Welt zeigt, wie groß die Kluft zwischen Afrika und der entwickelten Welt inzwischen ist. Europäer scheinen sich tatsächlich nicht vorstellen zu können, was Liberianer, Sierraleoner und Guineer gerade durchmachen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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