Man kann sich bei den investigativen Journalisten, die über ein Jahr recherchiert haben, nur bedanken: Die Panama Papers bedeuten einen Meilenstein, was die Kenntnisse über die dunklen Machenschaften in Steueroasen anbelangt. Erstaunlich ist dabei nicht die blanke Zahl von 215 000 Briefkastenfirmen, die allein der panamaische Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca im Namen seiner Kunden gegründet hat. Bereits lange vor den Leaks war bekannt, dass es weltweit Millionen Briefkastenfirmen in Steueroasen gibt. Neu an diesem Skandal ist, dass wir jetzt über Namen verfügen, vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko bis zu Ian Cameron, dem Vater des britischen Premierministers. Dadurch bekommen die Briefkastenfirmen Gesichter. Dies erhöht den Druck für politisches Handeln und auf die politischen Akteure, wie der umgehende Rücktritt des isländischen Regierungschefs belegt hat. All diese Namen bestätigen, was viele längst befürchtet haben: dass nämlich Teile der Eliten in Politik und Wirtschaft denken, dass für sie ein völlig anderes Recht gilt als für den „gemeinen Mann“ und die „gemeine Frau“. Daran ändert auch der Einwand nichts, dass das Ganze als solches nicht illegal sei.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.