Ausgabe Dezember 2018

Identität durch Erinnerung

Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2018

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels war für uns eine überwältigende Überraschung. Seit vielen Jahren verfolgen wir in den Medien die Zeremonie, die so vielen eindrucksvollen Stimmen ein Podium und ein Publikum gegeben hat. Nie hätten wir uns diesen Seitenwechsel vom Publikum aufs Podium träumen lassen. Umso größer ist unsere Dankbarkeit gegenüber dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Stiftungsrat für die hohe Ehre und die damit verbundene Anerkennung unserer gemeinsamen Arbeit. Dieser Preis ist für uns ein Ehrenbürgerbrief in der Res publica litteraria, dem Heimatland, das keine nationalen Grenzen kennt.

Res publica litteraria

Dieses Land wurde von Dichtern und Humanisten, Verlegern und Buchhändlern an der Schwelle des Druckzeitalters gegründet. Sie haben zwischen den alten und den neuen Sprachen vermittelt und damit die Grundlagen für europäische Vielfalt gelegt. Dabei haben sie die Bibliothek als ihren Kommunikationsraum erfunden und ein Geister-Gespräch in Gang gesetzt, das sich über Landesgrenzen und über Jahrhunderte hinweg entwickelte.

Die 1950 gestiftete Tradition des Friedenspreises hat dieses Geister-Gespräch, das bis heute von Schriftstellern, Druckern, Verlegern, Buchhändlern und Lesern fortgesetzt wird, wieder in den öffentlichen Raum zurückgebracht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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