Ausgabe September 2019

Nato oder nicht Nato: Schweden zwischen den Fronten

Bild: kremlin.ru

Schweden rüstet auf – und zwar gegen eine potentielle Attacke von Russland. So gilt seit 2017 wieder die Wehrpflicht, seit April dieses Jahres sind auf der beliebten Ferieninsel Gotland wieder Soldaten stationiert, und nun schlägt das Verteidigungsministerium eine Erhöhung des Militärbudgets von einem Prozent auf 1,5 Prozent vor. Auslöser für das schwedische Aufrüsten ist die Sorge, die schwedische Ostseeinsel Gotland könnte ein ähnliches Schicksal erleiden wie die Krim im Jahr 2014. Deswegen hat sich das jahrzehntelang neutrale Schweden gemeinsam mit seinem Nachbarn Finnland auf eine engere Kooperation mit der Nato eingelassen und agiert heute als „Gastgeberland“ bei gemeinsamen Manövern. Der nächste Schritt wäre der Nato-Beitritt. Doch ob er in Zeiten russischer Drohgebärden und Trumpscher „America first“-Politik wirklich erfolgen sollte, darüber ist in Schweden eine kontroverse Debatte entbrannt, in der gerade Russland kräftig mitmischt.

Die vier bürgerlichen Oppositionsparteien plädieren mittlerweile geschlossen für eine Nato-Mitgliedschaft. Die Minderheitsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen sowie die oppositionelle Linkspartei und die rechtspopulistischen Schwedendemokraten halten hingegen an der offiziellen Bündnisfreiheit fest.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der europäische Flüchtlingsschutz: Eine Ruine

von Vanessa Barisch

Haftähnliche Unterbringung, fehlender Rechtsschutz während des Asylverfahrens und die Legalisierung von Pushbacks, das sind die Merkmale, die ab Juni den Umgang mit Flüchtlingen in der EU prägen werden. Bis dahin sollen die EU-Staaten die schon 2024 beschlossene Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems umgesetzt haben.