Ausgabe Januar 2023

China: Die Revolution der leeren Blätter

In China halten Demonstrierende bei den Protesten gegen die Null-Covid-Politik weiße Blätter in die Luft, wie hier in Hongkong, 29.11.2022 (IMAGO / ZUMA Wire)

Bild: In China halten Demonstrierende bei den Protesten gegen die Null-Covid-Politik weiße Blätter in die Luft, wie hier in Hongkong, 29.11.2022 (IMAGO / ZUMA Wire)

In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 28. November, wehte der Wind des Wandels durch die chinesische Hauptstadt. Wie aus dem Nichts versammelten sich hunderte, möglicherweise sogar über tausend junge Chinesinnen und Chinesen im Pekinger Botschaftsviertel und hielten ein leeres Blatt Papier vor ihre Brust, unbeschrieben und weiß. Doch die Botschaft ihres symbolischen Protests verstand jeder der Anwesenden sofort: Die Din A4-Zettel stehen für all das, was die Menschen sagen wollen, jedoch nicht dürfen. „Wir wollen Freiheit, wir wollen Menschenrechte!“, schreit die Menge immer wieder. Eine Frau, die ihre Coronamaske abgenommen – und damit auch die Furcht vor den Überwachungskameras überwunden – hat, ruft laut in die Nacht: „China ist ein Land, keine Partei!“ Von den Massen erhält sie jubelnden Zuspruch. Die anwesenden Sicherheitskräfte bleiben auf Distanz und schreiten nicht ein. Noch nicht.

Erst am nächsten Tag schlägt die staatliche Gewalt mit voller Wucht zurück. Am Ort des Geschehens, wo noch vor wenigen Stunden die Menschen politischen Wandel gefordert hatten, patrouillieren nun Polizisten in Mannschaftsstärke. Im Radius von mehreren Kilometern wachen zudem Beamte in Zivil an den Straßenkreuzungen. Selbst aus der Ferne sind sie leicht zu erkennen – an ihren weißen N95-Coronamasken, die die Regierung an ihre Bediensteten ausgibt.

»Blätter«-Ausgabe 1/2023

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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