Ausgabe Mai 2025

Putins Wende nach Osten – und der ewige Krieg

Russische Soldaten während einer gemeinsamen Militärübungen von Iran, Russland und China im Golf von Oman, 12.3.2025 (Iranian Army Office / IMAGO / ZUMA Press Wire)

Bild: Russische Soldaten während einer gemeinsamen Militärübungen von Iran, Russland und China im Golf von Oman, 12.3.2025 (Iranian Army Office / IMAGO / ZUMA Press Wire)

Von Stettin an der Ostsee bis hinunter nach Triest an der Adria zieht sich ein ‚Eiserner Vorhang‘ über den Kontinent.“ Mit diesem Satz beschrieb der britische Premierminister Winston Churchill im März 1946 in einer historischen Rede in Fulton im US-Bundesstaat Missouri die Teilung Europas, die spätestens mit dem Ende des Krieges am 8. Mai 1945, aber eigentlich schon auf der Konferenz von Jalta im Februar desselben Jahres, begonnen hatte. Bis zum Fall der Mauer und dem Ende des Ostblocks in der Zeitenwende von 1989/90 sollten die Europäer die Grenze zwischen Ost und West im Kalten Krieg mit Churchills Worten als Eisernen Vorhang bezeichnen. Mit Russlands vollumfänglichem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 und Putins hybridem Krieg gegen die EU hat sich nun ein neuer Vorhang in Europa gesenkt. Nur dass er diesmal weiter östlich fällt, vom Polarkreis in Norwegen entlang der Ostgrenzen von Finnland, der baltischen Staaten, Polens, mitten durch die Ukraine und weiter bis an die Küsten Rumäniens und Bulgariens. Russland, das lange Zeit Teil von Europa sein wollte, schottet sich von Europa ab. Europas Teilung, diese neuerliche scharfe Trennung des Kontinents in zwei Teile, bedeutet eine unerträgliche Regression, die Rückkehr in einen Zustand, den die meisten Menschen in West- wie Osteuropa nach 1989 für unwiderruflich überwunden hielten. Diese Teilung hat viele Gründe, aber der Hauptschuldige an dieser Spaltung heißt Wladimir Putin.

»Blätter«-Ausgabe 5/2025

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