Bild: José Antonio Kast spricht vor dem chilenischen Nationalkongress, 1.6.2026 (IMAGO / Aton Chile)
Seit März regiert in Chile José Antonio Kast – und damit erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie ein Vertreter der Ultrarechten und Bewunderer des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet, der das Land fast 17 Jahre, von 1973 bis 1990, beherrschte. Doch obwohl der 60-jährige strenggläubige Katholik mit großem Zuspruch startete, ist seine Regierung in der Gunst der Chilen:innen schon vor Ablauf der ersten 100 Tage im Amt abgestürzt. Bereits jetzt zeigt Kasts Projekt einer rechtskonservativen Restauration deutliche Risse. Als er Mitte Dezember 2025 die Präsidentschaftswahl mit 58 Prozent der Stimmen gegen seine Herausforderin von der Kommunistischen Partei, Jeannette Jara, gewann, war das ein enormer Triumph für die extreme Rechte in Chile: Über sieben Millionen Menschen stimmten für Kast. Damit konnte der Jurist und Sohn eines deutschen Wehrmachtsoffiziers, auch dank der 2022 wieder eingeführten Wahlpflicht, mehr Stimmen auf sich vereinigen als jeder andere Präsident in der Geschichte des Landes. Seine Wahl beendete die Phase des linken Aufbruchs in Chile, die 2019 mit einer sozialen Revolte begonnen hatte.