Bild: Peter Magyar, ungarischer Ministerpräsident, und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission in Brüssel, 29.5.2026 (IMAGO / ABACAPRESS)
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist. 1950 war so ein Moment, 1989 ein anderer. Und die jüngste Abwahl Viktor Orbáns ist ein weiterer.
1950 zwang der Druck zur Wiederbewaffnung Westdeutschlands Frankreich eine Entscheidung auf. Entweder konnte es dabei helfen, die deutsche Macht in eine supranationale Struktur einzubetten oder es musste zusehen, wie diese Macht zur möglichen neuen Gefahr würde. Der damalige Außenminister Robert Schuman warb für die Einbettung. Das Ergebnis war die Montanunion, die Vorläuferin der EU, die Stahl und Kohle vergemeinschaftete – und damit die materiellen Grundlagen des Krieges. Ähnlich war es 1989: Die Wiedervereinigung Deutschlands drohte Europa aus dem Machtgleichgewicht zu bringen. François Mitterand, Helmut Kohl und Jacques Delors schufen ein Gegengewicht: Der Euro und die Maastrichter Verträge sorgten dafür, Deutschland langfristig in der EU zu verankern. In einem historischen Moment wie heute, in dem Deutschland das größte Wiederaufrüstungsprogramm der Nachkriegsgeschichte umsetzt und in eine neue Phase der Geopolitik eintritt, lohnt es sich an folgendes zu erinnern: Schuman, Mitterand und Kohl trafen ihre Entscheidungen nicht nur mit Blick auf das unmittelbare Problem, sondern ihnen ging es auch um eine politische Architektur, die Europa langfristig stabilisiert.