Ausgabe Februar 1990

Nach Pinochet

Der Triumph des Präsidentschaftskandidaten der vereinten Opposition - der 17-Parteien-Koalition der "Concertaci¢n de los Partidos por la Democracia" - stand seit Monaten außer Zweifel. Der neue Staatschef, der 71jährige Christdemokrat Patricio Aylwin, wird wie vorgesehen am 11. März sein Amt antreten. Mit 50% der Stimmen (gegen 28% für den Pinochet-Kandidaten und ExFinanzminister Hern n Büchi und 15% für den ebenfalls mehr oder weniger Pinochet-orientierten Unternehmer Francisco Err zuriz) und einer - trotz des ungerechten Wahlsystems - klaren Mehrheit der "Concertaci¢n" im Abgeordnetenhaus hat Aylwin ein klares Mandat des Volkes.

Der bevorstehende Machtwechsel wird einen langersehnten Schlußstrich unter sechzehneinhalb Jahre Diktatur ziehen - die schwärzeste Periode der chilenischen Geschichte, aber paradoxerweise auch eine der umstrittensten. Die Gefahr, daß die Militärs von neuem nach der Macht greifen könnten, ist allerdings längst nicht gebannt. Deshalb wetteifern die neuen zivilen Verantwortlichen in politischer Mäßigung, um den Streitkräften keinerlei Vorwand für einen Putsch zu liefern und gleichzeitig eine Explosion der durch die Diktatur verursachten sozialen Spannungen zu verhindern.

Februar 1990

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.