Ausgabe Juli 1990

Mit der Weltbank auf neuen Wegen?

Daß die "Tendenz" des Kapitalismus die Herstellung des Weltmarktes ist, braucht heute nicht mehr empirisch belegt zu werden. Die rasche Expansion der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und die Durchdringung der Welt mit kapitalistischen Warenbeziehungen springt ins Auge.

Internationalisierung als Herausforderung

Daß es bei großen Teilen der Linken weltweit zu eklatanten Fehlprognosen hinsichtlich der Lebensdauer und Vitalität der kapitalistischen Produktionsweise kommen konnte und damit zu einer Fehleinschätzung der internationalen Kräfteverhältnisse und Entwicklungstendenzen hängt auch mit diesem Aspekt zusammen: In Aufnahme der Leninschen Imperialismustheorie ("letztes Stadium") überwog die Auffassung, daß der Kapitalismus diese seine Aufgabe nicht würde ausführen können. Der Widerspruch zwischen der nationalen Verfaßtheit der politökonomischen Regulierungssysteme und der Internationalisierung der Produktivkräfte stelle eine ökonomische und politische Entwicklungsschranke dar, die unter kapitalistischen Bedingungen prinzipiell nicht überwindbar sei. Ein supranationales kapitalistisches Regulierungssystem ohne Hegemonialmacht wurde für nicht realisierbar gehalten.

Juli 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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