Ausgabe Mai 1991

Land ohne Opposition?

Politik im neuen Deutschland

Politik im neuen Deutschland

Von Karl D. Bredthauer "Land ohne Opposition"? Auch wenn man die von Ulrich Beck, u.a. in seinem "Blätter"-Gespräch mit Frank Deppe (4/1991), wieder in die Diskussion gebrachte These aus Zeiten der deutsch-deutschen "Systemkonkurrenz" nicht oder nicht mehr für schlüssig hält - daß nämlich die beiden Deutschländer wechselseitig projektiv Oppositionsfunktionen füreinander wahrgenommen hätten -: spätestens mit der von den neuen Montagsdemonstrationen zeitweilig beflügelten Diskussion über eine "große" Koalition stellt sich die Frage, ob es in der neuen Bundesrepublik überhaupt noch nennenswerte Opposition gibt und worin ihre Funktion besteht oder bestünde, mit aller Schärfe. Anders gefragt: Weshalb sollte eine noch breitere Regierungsmehrheit (also zugleich: eine noch schwächere Opposition) besser befähigt sein, die Probleme des vereinigten Deutschland zu lösen? (Seit Jahrzehnten hat keine Bonner Regierungskoalition eine so bequeme Bundestagsmehrheit gehabt wie die amtierende seit dem 2.12.1990.

Mai 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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