Ausgabe Juni 1991

Absturz nach der Warteschleife

Der Begriff der "Warteschleife" als sozialpolitische Kategorie ist in Anlehnung an den Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik vom 31. August 1990 entstanden. In Artikel 13 Absatz 2 ist vorgesehen, daß öffentliche Einrichtungen der DDR, die vor dem Beitritt Aufgaben erfüllt haben, welche nach westdeutschem Recht Bundesaufgaben sind, durch Bundesbehörden "überführt oder abgewickelt" werden. In Anhang 1, Kapitel XIX, Abschnitt III des Einigungsvertrags wird bestimmt, daß die Arbeitsverhältnisse der in diesen Einrichtungen Beschäftigten vom Tage des Beitritts an ruhen; während dieser Wartezeit haben die betroffenen Arbeitnehmer Anspruch auf monatliches "Wartegeld" von 70% des bisherigen Gehalts; wenn eine "Weiterverwendung" im öffentlichen Dienst nicht erfolgt, endet diese Warteschleife nach sechs Monaten, bei vollendetem 50. Lebensjahr nach neun Monaten.

Wieviele von dieser "Warteschleife" betroffen waren bzw. sind ist nicht genau bekannt; Schätzungen liegen zwischen insgesamt 500 000 und 700 000 Menschen. Im Jahresdurchschnitt 1991 sollen es dem Bericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und dem Institut für Weltwirtschaft zufolge (Vgl. "Blätter" 5/1991) 210 000 Personen sein.

Juni 1991

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.