Ausgabe August 1991

Neuer Zentrismus in der sowjetischen Politik

Die Transformation des Sowjetsystems, die 1985 eingeleitet wurde, ist unverändert weit davon entfernt, friedlich und organisiert zu verlaufen. Nach sechs Jahren Perestroika sind die Reformen, die inzwischen auf einen unvermeidbaren Systemwechsel zu beziehen sind, an mehreren Stellen blockiert - zumindest vorübergehend. Dies war der Nährboden für die Versuche einer "autoritären Stabilisierung" im letzten Winter, die dann im Frühjahr ebenso scheiterte wie zuvor im vergangenen Herbst die Anläufe zu einem radikaleren, sprunghaften Systemwechsel. Vor diesem Hintergrund kam es in diesem Frühjahr in der bisherigen Sowjetunion, deren Geschichte eigentlich schon beendet ist (weder die traditionellen Systemträger noch die administrative Form sind zu halten), zu umfangreichen Um- und Neugruppierungen der politischen und sozialen Kräfte.

Das Ergebnis ist ein "neuer Zentrismus", der im Unterschied zu dem früheren, schmal gewordenen und von Präsident Gorbatschow verkörperten eine derzeit recht breite Basis hat. Diese neue Bewegung der "Mitte" kann den Zerfall des alten Sowjetsystems zwar nicht aufhalten, aber sie könnte ihm eine Richtung und damit eine Zielsetzung geben. Bekanntester Ausdruck dieses neuen Zentrismus war die Erklärung vom 23.

August 1991

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