Ausgabe September 1991

Was sagen Sie zu Jugoslawien?

So ist der Verfasser dieser Zeilen, ein aus Jugoslawien stammender "Donauschwabe", wiederholt gefragt worden, seit das, was seit Jahren in der Welt die "jugoslawische Krise" genannt wird, im Frühjahr 1991 durch aufschreckende Schüsse in der jugoslawischen Teilrepublik Slowenien im Bewußtsein des Westens aus dem latenten in ein akutes Stadium übersprang. Also brachte ich im Mai für ein begrenztes Publikum meiner jugoslawiendeutschen Landsleute eine subjektive Betrachtung zu dem Problemkomplex zu Papier.

Inzwischen ist es in Slowenien wieder ruhig, im bedeutend größeren, aber nicht nur deshalb auch wesentlich bedeutenderen Kroatien um so unruhiger geworden. Wer dort auf wen schießt, bzw. bis vor ein paar Tagen noch geschossen hat und jederzeit von neuem schießen kann, ist der Tagespresse zu entnehmen. Viel weniger Klarheit herrscht bei uns jedoch darüber, wer jeweils als erster das Feuer eröffnet hat, und vor allem, warum. Mag dieser Kampf nun zugunsten der "Belgrader Zentralisten" ausgehen oder zugunsten der "Zagreber Antizentralisten" - er wird weder so noch so beendet sein: die streitbare Wechselbeziehung zwischen den Serben und den Kroaten, diesen derzeit so heftig verfeindeten Geschwistern, wird bleiben. Und es wird auch bleiben die Geschichte dieser Wechselbeziehung, (nicht nur der Serben und Kroaten, sondern auch der anderen jugoslawischen Völker).

September 1991

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.