Ausgabe Januar 1993

Selbst-Einbürgerung jetzt

Drei Türkinnen, Bahide Arslan, Ayshe und Yeliz mußten umkommen, bis die Herren Kohl, Seiters, Gerster, Stoiber und andere zumindest zeitweise davon abließen, die "Asyldebatte" weiter anzuheizen. Drei Menschen, die diesmal nicht Asylsuchende waren, sondern zu den hier auf Dauer lebenden 6 Millionen Nichtdeutschen gehörten, mußten Opfer neonazistischer Mörder werden, damit Zeitungen schreiben konnten, daß 7% der Beschäftigten in Deutschland Nichtdeutsche sind und daß sie 8% des Bruttosozialproduktes produzieren; damit Fernsehanstalten mit Bildern aus deutschen Fabriken jedem noch so uninformierten Zuschauer zeigen konnten, daß Türken in Deutschland arbeiten und nicht schmarotzen.

Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß die führenden Politiker bundesdeutscher Parteien, allen voran die Unionspolitiker, für den Mord an den drei Türkinnen, für die zahlreichen anderen Morde, für die Tausende von Brandanschlägen in Hoyerswerda, in Rostock und in anderen Städten und Gemeinden und für die Lawine der Gewalt in der Bundesrepublik die Hauptverantwortung tragen, die Volker Rühe als CDU-Generalsekretär mit seinem "Asyldebatten-Rundbrief" an die Parteibasis im September 1991 losgetreten hat.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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