Ausgabe Januar 1993

Selbst-Einbürgerung jetzt

Drei Türkinnen, Bahide Arslan, Ayshe und Yeliz mußten umkommen, bis die Herren Kohl, Seiters, Gerster, Stoiber und andere zumindest zeitweise davon abließen, die "Asyldebatte" weiter anzuheizen. Drei Menschen, die diesmal nicht Asylsuchende waren, sondern zu den hier auf Dauer lebenden 6 Millionen Nichtdeutschen gehörten, mußten Opfer neonazistischer Mörder werden, damit Zeitungen schreiben konnten, daß 7% der Beschäftigten in Deutschland Nichtdeutsche sind und daß sie 8% des Bruttosozialproduktes produzieren; damit Fernsehanstalten mit Bildern aus deutschen Fabriken jedem noch so uninformierten Zuschauer zeigen konnten, daß Türken in Deutschland arbeiten und nicht schmarotzen.

Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß die führenden Politiker bundesdeutscher Parteien, allen voran die Unionspolitiker, für den Mord an den drei Türkinnen, für die zahlreichen anderen Morde, für die Tausende von Brandanschlägen in Hoyerswerda, in Rostock und in anderen Städten und Gemeinden und für die Lawine der Gewalt in der Bundesrepublik die Hauptverantwortung tragen, die Volker Rühe als CDU-Generalsekretär mit seinem "Asyldebatten-Rundbrief" an die Parteibasis im September 1991 losgetreten hat.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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