Ausgabe Juni 1993

Das moralische Problem der Entscheidungskompetenz

Die hirntote Schwangere - Zwei Repliken

Der Fall der schwangeren Marion Ploch, die auch nach ihrem Hirntod im Erlanger Universitätsklinikum künstlich ernährt und beatmet wurde, um den Fötus am Leben zu erhalten, ist im Dezemberheft der "Blätter" von Kurt Bayertz und Kurt Schmidt analysiert worden. Der Beitrag und vor allem der Schluß der Autoren, das Handeln der Erlanger Ärzte sei "weder geboten noch verboten" hat Anlaß zu den folgenden Repliken gegeben. D. Red.

Kurt Bayertz und Kurt Schmidt zeigen die Veränderung der Einstellung zu Leben und Tod im Zeitalter des sog. technischen Fortschritts oder anders ausgedrückt einer bedrohlichen Verfügbarkeit von Werten, die man früher für unverfügbar gehalten und erlebt hatte. Was die einen als Freiheitsgewinn begrüßen, ist für andere eine Gratwanderung. Eine kleine Gruppe deutet die Entwicklung gar apokalyptisch. Wie immer man seine eigene Position einordnet, die Autoren kommen nach einer sehr plausiblen Darstellung des moralischen Wandels, der diesen Prozeß begleitet, zu einem offenen Schluß. Der überrascht, fällt er doch hinter das zurück, was die vorherigen Ausführungen versprochen haben. Dies fällt sogar sprachlich auf. Die Überschrift ist nämlich wertneutral gefaßt und heißt: die "hirntote Schwangere und ihr lebender Fötus".

Juni 1993

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