Ausgabe Dezember 1993

Die arbeitslose Republik

Oder: Mit der Vier-Tage-Woche auf den Weg zum Niedriglohnland? (Streitgespräch)

Den Vorstoß der Volkswagenwerke zur Einführung der Vier-Tage-Woche haben wir zum Anlaß genommen, Rudolf Hickel und Meinhard Miegel zu einem Streitgespräch über die Paradoxien der gegenwärtigen Standortdebatte einzuladen. Professor Hickel, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Bremen, ist u.a. als Mitglied der Gruppe Alternative Wirtschaftspolitik und beim Metallarbeitskonflikt in Sachsen als Schlichter hervorgetreten. Professor Miegel, Leiter des Bonner Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG Bonn), ist u.a. als Berater des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf bekannt. Im Zentrum des - von Maria Zens und Karl D. Bredthauer koordinierten - Gesprächs steht das Problem der Arbeitslosigkeit, die im Begriff ist, ganz neue Dimensionen anzunehmen und eine Beschränkung der Auseinandersetzung auf herkömmliche Wachstumsdiskurse oder gar kurzfristig-konjunkturelle Fragen nicht länger gestattet. D. Red.

Meinhard Miegel: Man sollte zwischen der gegenwärtigen und der künftigen Arbeitslosigkeit unterscheiden. Beide haben wenig miteinander zu tun. Die gegenwärtige Arbeitslosigkeit ist geprägt von einigen Sondereinflüssen. Hierzu gehören ein außergewöhnlich hoher Anteil von Erwerbsfähigen an der Wohnbevölkerung und eine besonders hohe Erwerbsneigung.

Dezember 1993

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.