Ausgabe Februar 1994

Von wegen Zivilmacht

Die deutsche Rüstungsexportlobby drängt zur Weltspitze

Die Rüstungslobby macht mobil. Zeiten der Abrüstung sind keine guten Zeiten für Profite aus Waffengeschäften. Und - fürwahr Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Da ist die (vermeintlich) restriktive Rüstungsexportpolitik Deutschlands so manchem ein Dorn im Auge. Die Standortdebatte Deutschland dehnt sich folgerichtig auf den Militärsektor aus: Die Rüstungsproduktion müsse überlebens- und konkurrenzfähig gehalten, scheinbar überholte Fesseln bei der Ausfuhr deutscher Waffen sollen abgestreift werden. Industrielobbyisten, einige Vertreter der betroffenen Arbeitnehmerschaft, Regionalfürsten und konservative Politiker blasen vereint zur Offensive.

Durch Exporterleichterungen zum "Rüstungsstandort Deutschland"? Die aktuelle Diskussion um eine Angleichung der Exportbestimmungen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft bildet einen willkommenen Anlaß und bietet einen maßgeschneiderten Deckmantel an. In ihn hüllt sich neuerdings der gute (deutsche) Europäer, der verräterischerweise gerade im Geschäft mit dem Tode beweisen möchte, daß er mit den Nachbarn zu kooperieren weiß. Wenn es darum geht, die Interessen der deutschen Landwirte zu wahren, wenn dafür gefochten wird, die Europäische Zentralbank nach "Mainhattan" zu holen: da weicht der deutsche Koloß nicht so schnell zurück.

Februar 1994

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.