Ausgabe März 1994

Strategische Partnerschaft

Eine Carnegie-Studie zur Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen

I

Amerikanische Außenpolitik war stets, ungeachtet aller taktisch-pragmatischen Beweglichkeit, von bemerkenswerter ideologischer Stabilität. Seit den frühen 40er Jahren ist sie charakterisiert durch die außenwirtschaftspolitische Doktrin des „liberalen Internationalismus", die auf Woodrow Wilson zurückgeht und die den Willen zur stetigen Ausweitung eines multilateral integrierten internationalen Wirtschaftsraums über möglichst große Teile der Welt zur obersten weltanschaulichen Maxime hat. Wilson sagte dazu, er wolle die Welt „safe for democracy" machen. „Democracy" bedeutete für ihn die Freizügigkeit von Kapital, den möglichst ungehinderten Verkehr von Waren und eine politische Kultur „verantwortungsbewußter" Machtausübung - in dieser Rangfolge der Wichtigkeit. Dieses universalistische Ziel, dem zuliebe Wilson auch bereit war, kurzfristige nationale Interessen und Eitelkeiten zu opfern, woran er in seinem Land nach dem Ersten Weltkrieg zunächst scheiterte, sollte nach dem Zweiten Weltkrieg in enger Gemeinschaft mit den bereits entwickelten Ökonomien Westeuropas verwirklicht werden. Ihnen wurde das Angebot einer engen militärischen Sicherheitspartnerschaft gemacht, mit deren Hilfe die politische und militärische Bedrohung des sowjetischen Gegenentwurfs in Europa „eingedämmt" werden sollte.

März 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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