Ausgabe April 1994

Somalisierung Afrikas?

Der Kontinent zwischen Chaos und Pax Africana

Immer neue Nachrichten über Unfrieden und Unsicherheit prägen das von den Medien gepflegte "katastrophische Afrikabild": Armut, Despotismus, Kriege, Hunger und Flüchtlingselend sowie Aids und Stammesfehden machen Afrika zu einem Synonym für Sozialkatastrophen und wirtschaftliche Unterentwicklung und scheinen die zivilisatorische Rückständigkeit des Kontinents zu bestätigen. Dieses Bild vom "Chaos Afrika" suggeriert, daß die Region südlich der Sahara eine wabernde Konfliktmasse ist, aus der heraus sich immer neue Konflikte nach immer gleichem Muster entzünden 1). Afrika ist jedoch kein monolithisches Gebilde, sondern ein Kontinent, der sich aus unterschiedlichen Welten zusammensetzt, die weiter auseinanderliegen als Sizilien und die Shetlands.

Als heterogener Kulturraum, als Ort historischer und gesellschaftlicher Ungleichzeitigkeiten ist Afrika noch kaum entdeckt. Der umgekehrten historischen Wahrnehmung, dem eindimensionalen Blick auf das "Chaos Europa", entspräche es etwa, das Blutvergießen in Nordirland, die Wirrnisse in Rußland und die Schlächtereien auf dem Balkan in eins zu setzen. Die Vorstellung vom "Chaos Afrika" ist eine nachkoloniale Obsession.

April 1994

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Krieg im Kongo: Trump und der gordische Knoten

von Simone Schlindwein

Heute gelingt uns das, woran so viele andere gescheitert sind«, prahlte Donald Trump im Dezember 2025, als Kongos Präsident Felix Tshisekedi und dessen ruandischer Amtskollege Paul Kagame zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages im Weißen Haus eintrafen.

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.