Ausgabe Mai 1994

Umrisse eines Neuen Wohlstandsmodells

1. Vorbemerkung

Vor etwa einem Jahr erschien in der Anzeigensektion der "Zeit" ein Aufruf zur Teilnahme an einem Ideenwettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft. Anlaß der Ausschreibung war, das in den Berichten und Beschlüssen der Brundtland-Kommission, des Club of Rome und der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung fixierte Ziel eines Neuen Wohlstandsmodells (NWM) daraufhin zu überprüfen, welche Vorgehensweisen im Bildungsbereich seiner gesellschaftlichen Umsetzung dienlich sein könnten. Als inhaltliche Vorgabe wurde u.a. formuliert: "Die Entwicklung eines NWM berührt mithin viele Wurzeln des Selbstverständnisses des einzelnen wie der gesamtgesellschaftlichen Grundüberzeugungen. Viele Lebensgewohnheiten wie sozio-ökonomische Strukturen werden in Frage zu stellen sein, ein sicherlich auch konfliktträchtiger Prozeß.

Das Ziel einer Neuorientierung von Einstellungen und Werthaltungen unter den Konditionen einer freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie bewußt-systematisch anzusteuern und - wie es der jetzige Zustand von Natur und Umwelt gebietet - binnen spätestens einer Generation wirksam zu erreichen ist ein Unternehmen, für das es weltweit kein historisches Vorbild gibt.

Mai 1994

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.