Ausgabe September 1994

So gut wie tot

Organtransplantationen zwischen Techno-Ethik und Menschenwürde

Lebensqualität hat etwas mit den Grenzen zu tun, innerhalb deren Menschen ihr Leben als erträglich und menschenwürdig annehmen können. Wo diese Grenze verläuft, kann jeder Mensch nur für sich selbst, nicht für andere entscheiden. Organtransplantationen als Angebot oder gar Therapiekonzept des öffentlichen Gesundheitswesens werfen dagegen fragen von überindividueller Tragweite auf.

Ob sie sich lohnen, hängt davon ab, wer unter welchen Bedingungen davon betroffen ist, was der Preis dafür ist und wer ihn zu zahlen hat. Wir fragen daher zunächst nach den betroffenen Personengruppen, sodann nach der inneren Logik des Hirntodkonzepts, auf das sich die Transplantationsmedizin stützt, sowie nach dem Zusammenhang von Hirntod und Menschenbild, um auf dieser Grundlage unsere Antwort zu formulieren.

Die Organempfänger

Organtransplantationen (wenn sie gelingen) retten Leben. Sie schenken Menschen mit stark eingeschränkten Lebensmöglichkeiten (z.B. Nierenkranken, die nur mit Hilfe der Dialyse leben können) neue, bessere Lebensqualität. für die Empfänger eines Ersatzorgans, so sollte man meinen, lohnt sich das in jedem Fall.

Aber gerade sie geraten durch die Transplantation in einen tiefen Widerstreit der Gefühle. Einerseits möchten sie das "neue" Organ haben, um weiterleben oder besser leben zu können.

September 1994

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema