Ausgabe Oktober 1994

Zähfließend mit Stillstand

Eine verkehrspolitische Bestandsaufnahme

Die jüngsten Auseinandersetzungen zum "Ozon-Sommersmog" und zum Dauerbrenner Tempolimit haben den Streit um den Verkehr erneut ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit gerückt. Dabei stellen sich die gesellschaftspolitischen Positionen zunehmend polarisiert dar: Fordert die eine Seite des (partei)politischen Spektrums ein verschärftes Vorgehen gegen das Verkehrswachstum, das auch spürbare Einschränkungen individueller Bewegungsspielräume beinhaltet, bestreitet die Gegenseite jeglichen Handlungsbedarf für restriktive Sofortmaßnahmen.

Dies wird mit der politisch-ökonomischen Bedeutung des Verkehrssektors begründet, die quasi zu einer "standortpolitischen" Unantastbarkeit des Verkehrs führt; ergänzend wird mit dem Charakter des Verkehrs als autonomer Veranstaltung argumentiert, die wegen der ausgeformten individuellen Präferenzen angeblich ohne unkalkulierbare Risiken und Nebenfolgen nicht mehr in eine gewünschte Richtung steuerbar sei. Besteht einerseits auch in Wissenschaft und Politik Einvernehmen darüber, daß der Verkehrsbereich das große Sorgenkind und potentiell eines der zentralen Handlungsfelder der Umwelt- und Klimaschutzpolitik darstellt, so tut sich andererseits in der praktischen Umsetzung nicht viel. Faktisch dominiert eine Politik der Verkehrsdurchsetzung mit mehr Verkehr und mehr Infrastruktur.

Oktober 1994

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.