Ausgabe Oktober 1994

Zähfließend mit Stillstand

Eine verkehrspolitische Bestandsaufnahme

Die jüngsten Auseinandersetzungen zum "Ozon-Sommersmog" und zum Dauerbrenner Tempolimit haben den Streit um den Verkehr erneut ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit gerückt. Dabei stellen sich die gesellschaftspolitischen Positionen zunehmend polarisiert dar: Fordert die eine Seite des (partei)politischen Spektrums ein verschärftes Vorgehen gegen das Verkehrswachstum, das auch spürbare Einschränkungen individueller Bewegungsspielräume beinhaltet, bestreitet die Gegenseite jeglichen Handlungsbedarf für restriktive Sofortmaßnahmen.

Dies wird mit der politisch-ökonomischen Bedeutung des Verkehrssektors begründet, die quasi zu einer "standortpolitischen" Unantastbarkeit des Verkehrs führt; ergänzend wird mit dem Charakter des Verkehrs als autonomer Veranstaltung argumentiert, die wegen der ausgeformten individuellen Präferenzen angeblich ohne unkalkulierbare Risiken und Nebenfolgen nicht mehr in eine gewünschte Richtung steuerbar sei. Besteht einerseits auch in Wissenschaft und Politik Einvernehmen darüber, daß der Verkehrsbereich das große Sorgenkind und potentiell eines der zentralen Handlungsfelder der Umwelt- und Klimaschutzpolitik darstellt, so tut sich andererseits in der praktischen Umsetzung nicht viel. Faktisch dominiert eine Politik der Verkehrsdurchsetzung mit mehr Verkehr und mehr Infrastruktur.

Oktober 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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